Nachhaltig Bauen auf dem Mars

Mit Dr. Gisela Detrell, Karlheinz Steinmüller.

Als Science-Fiction-Autor und Wissenschafter weiß Karlheinz Steinmüller bestens über die Geschichte der Phantasien Bescheid, die das Bild vom Mars schon immer beeinflusst haben. Ob es um Schiaparellis Kanäle geht, die skurrilen Spinnereien von Hélène Smith, „Aelita“ von Jakow Protasanow oder die Terraforming-Ideen von Kim Stanley Robinson: Immer haben unsere Wünsche und Projektionen mitbestimmt, wie wir den Mars gesehen haben. Freiich erledigte die Realität fast alle dieser Phantasien, und ob das mit realitätstauglicheren Plänen wie denen von Gisela Detrell nicht auch geschieht, ist noch nicht entschieden. Karlheinz Steinnmüller hätte da ein paar Fragen an sie. Warum ist in ihrem Planspiel kein Terraforming vorgesehen? Warum keine Kuppel-Habitate? Warum würde sie Tunnel vorziehen, deren Endstücke aus den Felswänden des Mars herausragen? Gisela Detrell hat auf all diese Fragen eine Antwort. Terraforming würde ihrer Expertise nach viel zu lange dauern, wäre schlicht und einfach ein zu großes Projekt. In der Science Fiction kann man in Tausenden Jahren denken, Gisela Detrells Zeithorizont beschränkt sich auf 100 Jahre. Kuppelhabitate hätten mindestens zwei große Probleme: Einerseits wären sie wegen der großen Oberfläche der Kuppeln nur sehr schwer dicht zu halten; es würde einen enormen Aufwand bedeuten, die atembare Atmosphäre in diesen Kuppeln stabil zu halten. Andererseits würde eben diese gigantische Oberfläche erhöhter Strahlung ausgesetzt sein. Da der Mars kein globales Magnetfeld hat wie die Erde, kommt auf seiner Oberfläche viel mehr kosmische Strahlung an als bei uns. Aus diesen Gründen wären die Felsentunnel, die Dr. Detrell und ihr Team als Habitate für die Marskolonie vorgesehen hat, viel geeigneter. Apropos Strahlung: Für die notwendigen Atomreaktoren gibt es noch kein Entsorgungskonzept. Bis dato geht es auf dem Mars um eine andere Art von Nachhaltigkeit als auf der Erde: Nicht die Erhaltung der Natur steht im Mittelpunkt, sondern radikales Recycling wegen der extremen Ressourcenknappheit. Trotzdem ist der Mars für Gisela Detrell einSehnsuchtsort. Würde man ihr einen Platz bei einer Marsmission anbieten, die in drei Jahren startet, wäre sie dabei.

Beitrag von Marcus Hammerschmitt

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