Kongress-programm 2025




05.06.2025

Ort: Uni Stuttgart – Tiefenhörsäle

In den Tiefenhörsälen der Uni Stuttgart läuft das Hauptprogramm ab. Die Vorträge und Panels spannen den Bogen von der Schaffung belebbarer Zonen auf dem Mars über die Frage, ob Technik wirklich noch die Rettung der Welt bringen kann, bis hin zu den Vorstellungen, die sich der Science-Fiction-Autor Marcus Hammerschmitt von dem macht, was auf uns zukommen könnte – im Guten wie im Bösen. Bei allen Programmpunkten gibt es Fragerunden mit dem Publikum. Weitere Schwerpunktthemen sind Biotechnologie, Quantentechnik und Künstliche Intelligenz.

Leben auf dem Mars: wie soll das gehen?

Prof. Dr. Gisela Detrell

Kann es Leben auf dem Mars geben? Oder können wir dort allenfalls von teurer Technik geschützte Kurzzeitbesucher sein? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft bereits seit dem 19. Jahrhundert. Manche einst geäußerten Ideen und Wunschträume können wir allerdings getrost beiseitelegen: die Sache ist komplizierter als manches SF-Romancover vermuten ließe. Wie Menschen tatsächlich im Weltraum überleben und wie sie dauerhaft andere Planeten besiedeln können, untersucht das Expertenteam „SONet“ (Sustainable Offworld Network), dem Dr. Gisela Detrell, Professorin für Human Spaceflight Technology an der Technischen Universität München, angehört. Das von ihr konzipierte Lebenserhaltungssystem für die Stadt „Nüwa“ soll einmal eine Million Menschen auf dem Mars versorgen. Die Konzeptstudie sieht eine Stadt vor, die nicht nur nachhaltig ist, sondern auch expandieren und wachsen kann, ohne auf die Unterstützung der Erde angewiesen zu sein.
Do, 05.06. | 10.20 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

DIANA – Die Mondbasis für interstellares Leben

Denis Acker, Dominik Gentner

DIANA (Dedicated Infrastructure and Architecture for Near-Earth Astronautics) ist ein Konzept für eine sich selbst versorgende Mondstadt in der Nähe des de Gerlache-Kraters am Südpol des Mondes. Die Stadt soll dauerhaft von Astronauten und Touristen bewohnt werden und unabhängig von regelmäßigen Nachschubmissionen von der Erde funktionieren. Dafür nutzt sie die lokale Ressourcennutzung (ISRU) und fortschrittliche robotische Systeme, um Rohstoffe direkt auf dem Mond zu gewinnen, zu transportieren und zu verarbeiten.

Um die langen Mondnächte zu überstehen, nutzt DIANA das ZEUS-System – ein Netzwerk aus Solarsatelliten, das drahtlos Energie zur Mondoberfläche überträgt. Die eingesetzten Solarzellen zur Energiegewinnung während des lunaren tages basieren auf Perowskit-Technologie und sollen direkt vor Ort hergestellt werden können.
Die Architektur der Stadt ist auf die besonderen Bedingungen des Mondes angepasst und berücksichtigt Herausforderungen wie geringe Schwerkraft und Strahlung. Lebenserhaltungssysteme umfassen Algensysteme zur Sauerstofferzeugung sowie Gemeinschaftsgewächshäuser, in denen Pflanzen angebaut werden können. Große zentrale Gewächshäuser versorgen die gesamte Basis mit Nahrung und Sauerstoff.
Ein integriertes Wissenschaftszentrum wird die Forschung an Mondtechnologien vorantreiben und Innovationen für zukünftige Marsmissionen unterstützen. DIANA verbindet Architektur, Wissenschaft, Robotik und Nachhaltigkeit, um die Unabhängigkeit von der Erde zu ermöglichen. Internationale Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren ist entscheidend,
um dieses visionäre Projekt zu realisieren und den Weg für eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond und zukünftige Reisen zum Mars zu ebnen.

Do, 05.06. | 11.15 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Planetary Sunshade

Tharshan Maheswaran

Der Klimawandel ist die derzeit größte Herausforderung der Menschheit. Während dieser beängstigend klare Sachverhalt von manchen noch immer bestritten wird, arbeitet die Wissenschaft an Methoden der Erwärmungsdämpfung, die man bis vor kurzem noch für reinste Science-Fiction-Fantasie gehalten hätte.
Solche Forschungen finden auch in Stuttgart statt. Der Raumfahrtingenieur und Klimaforscher Tharshan Maheswaran stellt ein Projekt zur Abschattung der Erde durch riesige Sonnenschutzschilde vor, durch Sunshades, die am Sonne-Erde-Lagrange Punkt L1, einem stationären Punkt zwischen Sonne und Erde, platziert werden könnten. Dieser Punkt im Weltraum bietet die ideale Ausgangsposition, um die Erde gezielt vor einem Teil der Sonneneinstrahlung zu schützen und so die Erderwärmung zu reduzieren. Gefertigt würden diese Schilde im Weltraum, weil ein Raketentransport fertiger Teile in mehrerlei Hinsicht unmöglich wäre. Aber auch das Baumaterial muss nicht von der Erde kommen.
Maheswarans Konzept sieht die Gewinnung von Ressourcen auf dem Mond vor. Und er nennt Skeptikern, die das für eine zwar spannende, aber viel zu spät fertig werdende Technologie halten, die wohl erst Mitte des nächsten Jahrhunderts umsetzbar wäre, einen ganz anderen Zeitrahmen. Nach seiner Kalkulation könnten die ersten Sunshades bereits bis 2060 einsatzbereit sein.
Do, 05.06. | 11.30 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Drei Zukunftsszenarien

Marcus Hammerschmitt

Seit rund 30 Jahren gehört der mehrfach preisgekrönte Marcus Hammerschmitt zu den wichtigen Stimmen der deutschen Science Fiction. Seine Spekulationen und Analysen zur Welt von morgen – beziehungsweise: zu den jetzt schon in der Gegenwart steckenden Splittern der Welt von morgen – veröffentlicht er aber nicht nur in der Nische der SF-Literatur für die sowieso schon wachen und Interessierten, sondern immer wieder auch in journalistischen Medien. Für die Next Frontiers tut er nun das, womit SF immer schon Hoffnungen geweckt oder Alarmglocken zum Schrillen gebracht hat: Er rechnet hoch, in welche Zukunft die Entwicklungen und Kräfte der Gegenwart führen könnten.

Do, 05.06. | 11.45 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Wird Technik die Welt retten?

Prof. Dr. Gisela Detrell, Denis Acker, Dominik Gentner, Marcus Hammerschmitt, Tharshan Maheswaran, Thomas Klingenmaier

Esoteriker haben es leicht. Radikale materielle Entschlankung und stete spirituelle Reinigung, so predigen sie, sei der Weg zum Heil der Menschheit. Nun mag man argumentieren, dass technologische Fortschritte, die globale Industrialisierung und das Wuchern der Konsumkultur unseren Planeten – oder jedenfalls die auch vom Menschen benötigte Biosphäre – tief in den roten Bereich getrieben haben. Noch so hingebungsvolle Meditationssitzungen werden allerdings weder die Klimaerwärmung noch die Energiekrise stoppen, sie werden die Welternährung nicht sichern und keine Barrieren gegen wiederkehrende Seuchen und neue Pandemien errichten. Die Frage ist also: Wird noch mehr und immer neue Technik die Welt retten? Oder wird sie, wie hoffnungsbeladene Technologien von einst, neue Probleme mit sich bringen? Oder, dritte Möglichkeit, wird sie zwar hauptsächlich segensreich sein, aber leider zu spät kommen? Darüber diskutieren wir in einem großen Panel mit den ReferentInnen der Next Frontiers 2025 auf einer stabilen Grundlage: aus der Überzeugung heraus, dass längs noch nicht alles zu spät ist, aber auch große Zukunftsängste ihre Berechtigung haben.

Do, 05.06. | 12.15 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

The promise of DNA nanotechnology

Prof. Dr. Laura Na Liu

The future of biology lies not in merely observing life as it exists, but in engineering life as it could be. DNA, nature’s timeless blueprint, has now become our most versatile molecular building material. No longer just a repository of genetic information, DNA can be crafted into dynamic components that reshape, reconfigure, and communicate, breathing life into artificial cellular systems. Recent research demonstrates how DNA nanostructures can orchestrate dramatic cellular transformations, controlling shape-shifting behaviors, regulating molecular transport, and programming environmental responses. These aren’t speculative visions but functioning systems operating in laboratories today. The coming era promises adaptive smart therapeutics, evolvable biomaterials, and synthetic organisms with unprecedented capabilities.

Yet beneath these technological wonders lies a profound question: As we rewrite biology’s rulebook, what new possibilities for life might we create? This represents more than scientific progress but a fundamental shift in how we conceive our relationship with the very essence of life itself.

Do, 05.06. | 14 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Können wir Leben erschaffen?

Prof. Dr. Michael Famulok

Was ist Leben – und könnten wir es künstlich erzeugen? Diese grundlegenden Fragen stehen im Zentrum der synthetischen Biologie, einem interdisziplinären Forschungsfeld an der Schnittstelle von Biologie, Chemie und Physik. Der Vortrag gibt einen Einblick in aktuelle Ansätze, unbelebte Materie in Systeme zu überführen, die Merkmale lebender Organismen zeigen. Welche
Mindestanforderungen muss ein Molekülverbund überhaupt erfüllen, um als „lebendig“ zu gelten?

Ein besonderer Aspekt ist die Untersuchung der sogenannten RNA-Welt-Hypothese, die davon ausgeht, dass frühe Lebensformen auf RNA-Molekülen basierten, die sowohl genetische Information speichern als auch katalytische Funktionen übernehmen konnten. Ein wichtiges Etappenziel der synthetischen Biologie ist die Herstellung sogenannter Protozellen: einfache, synthetisch hergestellte Kompartimente (Kammern), die als Modell für frühe zellähnliche Strukturen dienen. Sie würden es ermöglichen, zentrale Prozesse des Lebens – etwa Replikation oder Energieumwandlung – unter kontrollierten Bedingungen nachzustellen.

Diese Forschung liefert nicht nur neue Erkenntnisse darüber, wie wir eines Tages durch gezieltes Design neuartige, lebensähnliche Systeme erschaffen könnten, sondern würde dazu beitragen, die Natur des Lebens und seinen möglichen Ursprung auf der Erde oder auf Exoplaneten besser zu verstehen.

Do, 05.06. | 14.30 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Weg vom Schreckbild Frankenstein: Forschungsziel Schöpfung

Prof. Dr. Laura Na Liu, Prof. Dr. Michael Famulok, Eva Wolfangel

Kein anderer Name in der Kulturgeschichte steht so klar für Hybris wie jener von Dr. Victor Frankenstein. Die 1818 kreierte Romanfigur maßt sich Gottesmacht an, erschafft neues Leben aus toter Materie. Die wohlfeile Verurteilung von Frankensteins Handeln liegt allerdings schief: Frankensteins Handeln war pure poetische Imagination, fernab aller damaligen menschlichen Möglichkeiten.
Doch während Monsterbau eine Schockvision bleibt, sind wir wissenschaftlich weiter als Frankensteins Zeitgenossen. Die synthetische Biologie, ein interdisziplinäres Forschungsfeld an der Schnittstelle von Biologie, Chemie und Physik, stellt die Frage, was Leben eigentlich ist und ob wir es künstlich erzeugen können. Ein wichtiges Etappenziel ist dabei die Herstellung sogenannter Protozellen: Sie würden es ermöglichen, zentrale Prozesse des Lebens unter kontrollierten Bedingungen nachzustellen.
Zugleich kann die DNA-Nanotechnologie bereits dramatische Veränderungen im Zellverhalten bewirken, sie kann sogar neue Reaktionen auf die Umgebung festlegen. Das Regelwerk der Biologie wird im Labor neu geschrieben.
Welche Möglichkeiten sich da gerade auftun, welche neuen Erkenntnisse erschlossen werden – und ob wir Victor Frankensteins vermeintliche Hybris als Utopie begreifen dürfen: darüber sprechen die Physikerin Prof. Dr. Laura Na Liu von der Uni Stuttgart, Prof. Dr. Michael Famulok vom Life & Medical Science Institute der Uni Bonn und die Wissenschaftsjournalistin Eva Wolfangel.

Do, 05.06. | 15 Uhr | kleiner Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Humanoide Roboter

Prof. Dr. Elisabeth André, Emma Braslavsky, Frederike Wiechmann

Die sogenannten Maschinenstürmer zerschlugen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Dampfmaschinen und mechanische Webstühle, weil sie annahmen, dass ihnen diese Maschinen die Lebensgrundlage entziehen würden. Wo sind sie heute, die Maschinenstürmer? In Fabriken arbeiten Roboter; Geld und Fahrkarten kommen aus Automaten. Wenn Roboter mehr und mehr humanoid werden, können sie möglicherweise sogar in der Betreuung von dementen Menschen eingesetzt werden. Die Fortschritte in der Sensorik, der Automatisierungstechnik und der künstlichen Intelligenz lassen erahnen, dass Roboter bald noch weitere Berufsfelder erobern werden.

Do, 05.06. | 14 Uhr | großer Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Quantencomputer vernetzen: Das Quanteninternet

Dr. Stephan Welte

Quantencomputer sind derzeit in aller Munde, könnten jedoch möglicherweise erst dann zu großen, nützlichen Maschinen werden, wenn es gelingt, sie in einer Netzwerkarchitektur zu verbinden. Im Vortrag gehen wir der Frage nach, wie dies gelingen kann und welche Technologien für ein solches Quanteninternet derzeit entwickelt werden. Dabei betrachten wir fundamentale Quantenphänomene wie Unschärfe, Dekohärenz, Superposition und Verschränkung. Insbesondere die Verschränkung spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Informationen über große Distanzen im Quanteninternet zu übertragen.

Do, 05.06. | 15.15 Uhr | großer Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart

Von Atomen zu Quanten: Anfang eines neuen Zeitalters?

Dr. Karlheinz Steinmüller, Dr. Stephan Welte

Kaum eine Zukunftstechnologie ruft ein so breites Spektrum an Reaktionen hervor wie die Quantentechnik. Begeisterung, Verwirrung, Furcht und ein Sense of Wonder, der sonst eher der Science-Fiction vorbehalten bleibt. Auch Laien treiben die Auswirkungen um, die zuverlässig funktionierende Quantentechnik auf die ganze Gesellschaft haben könnten. Kryptographie, Künstliche Intelligenz, Material- und Molekulardesign, um nur wenige Sparten zu nennen: alles, was wir auf diesen Gebieten bisher erreicht haben, würde plötzlich ziemlich alt aussehen. Kann das sein? Manche halten es für einen wirklichkeitsfernen Hype.

Do, 05.06. | 15.45 Uhr | großer Tiefenhörsaal, KII, Uni Stuttgart