Programmübersicht 2026

Intelligenz: Where Science meets Fiction

KI kann heute bereits Leistungen erbringen, die lange als ausschließlich menschlich galten.
In der Zeitschrift Nature stellten vier Wissenschaftler deshalb die These auf, Maschinen
hätten bereits menschliche Intelligenz erreicht. Doch was bedeutet das eigentlich? Unsere
Vorstellung von Intelligenz ist eng mit dem verknüpft, was wir unter Menschlichkeit verstehen
und wird seit jeher kulturell erzählt und verhandelt. Was maschinelle Intelligenz ist oder sein
kann, hängt deswegen nicht nur an technischen Fähigkeiten, sondern vor allem daran, wie
Menschen sie nutzen, formen und über sie sprechen. Genau hier setzt die Kultur an: Sie
entwirft Bilder denkender Maschinen und erzählt nebenbei davon, was uns als Menschen
ausmacht. Science Fiction wird so zum Spiegel unserer Hoffnungen und Ängste und zum
Experimentierraum für kommende Realitäten.

6. Mai 2026 | 19 Uhr | Stadtbibliothek am Mailänder Platz
Gespräch: Berit Glanz, Dr. Amrei Bahr | Moderation: Frederike Wiechmann | Graphic Recording: Heyko Stöber

Captured Futures: Power and (Environmental) Politics in a Radical Age

The era of normal politics is over. A radical political age is remaking cultural ideas about and aspirations for the futures people deem to be desirable. At the core, the radical age is remaking – at a rapid pace – what we consider to be ’normal’, politically, socially, ethically. Globally as well as regionally, political reality is being reimagined. Drawing on the analysis of our book Captured Futures: Rethinking the Drama of Environmental Politics – in which we critiqued environmental politics’ inability to imagine futures meaningfully different from the present – this talk zooms in on the politics of the future. Our societies are organised around the promise that the future will be – at least materially – better than the present. Yet rapid deterioration of planetary systems as well as geopolitical tensions foretell of a future in which such ‘progress‘ can no longer be taken to be self-evident. This fracturing has deep ramifications. With the future – what it holds, what is possible, and whose voice gets to matter – an increasingly prominent political battleground. Who has the power to hijack and capture our ideas about the future? What is the relationship between futuring practices and democracy? And how can we conduct a politics of the futuring ourselves?

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Keynote, Gespräch: Prof. Dr. Maarten Hajer, Dr. Jeroen Oomen | Moderation: Prof. Dr. Cordula Kropp | Graphic Recording: Heyko Stöber

Denken wie ein Pilz

Wir haben gelernt, die Welt in Disziplinen zu zerlegen, Probleme zu isolieren und Lösungen zu optimieren. Wir ziehen Grenzen und segmentieren, zerlegen und sortieren. Komplexe Systeme und die Krisen unserer Zeit können wir so nur begrenzt verstehen und offenbar nicht in den Griff bekommen. In dieser Keynote geht es um eine einfache, radikale Idee: Vielleicht müssen wir anfangen, wie ein Pilz zu denken. Pilze organisieren keine Hierarchien – sie knüpfen Netzwerke. Sie konkurrieren nicht nur – sie kooperieren. Sie verbinden Organismen, verteilen Ressourcen und schaffen Stabilität ohne zentrale Steuerung. Intelligenz entsteht nicht an der Spitze, sondern im Geflecht. Complexity Science liefert das Vokabular für dieses Denken: Emergenz statt Kontrolle. Beziehung statt Objekt. Dynamik statt Gleichgewicht. Während Konkurrenz und der Wettbewerb um Ressourcen zweifelsfrei der Motor für graduelle Optimierung in der Natur ist, wurden essentielle Innovationen in biologischen Systemen fast ausschließlich durch kooperative Verbindungen völlig unterschiedlicher Organismen und Prinzipien erzeugt. Diversität und Kooperation führen zu Neuem und schaffen Stabilität.
Denken wie ein Pilz heißt, Disziplingrenzen vorsätzlich zu überschreiten und zu durchwachsen – das Fundament einer neuen “anti-disziplinären” Wissenschaft und Weltsicht.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Keynote: Prof. Dr. Dirk Brockmann

Neues Denken gegen die Multikrise? – Drei Zukunftsszenarien

„Drill, Baby, drill!“ – wer sieht in Parolen wie diesen nicht ein Denken am Werk, das 1950
modern war? Nostalgie für die Rezepte von gestern schwappt uns an allen Ecken und Enden
entgegen. Dabei wissen wir doch genau: Diese Rezepte haben uns erst in die aktuelle
Multikrise geführt. Die Frage aber ist: Reicht „neues Denken“ allein aus? Oder ist hier etwas
Massiveres am Werk als das Hin und Her ideologischer Moden? Marcus Hammerschmitt
erörtert in drei Zukunftsszenarien, wie kulturelle und philosophische Ansätze in den
kommenden Jahrzehnten die Welt verbessern – oder eben nicht.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Zukunftsszenarien: Marcus Hammerschmitt

DNA Data Storage: The Next Generation

Die Menge an Daten, die die Menschheit produziert und speichert, steigt seit Jahren rapide
an. Im Jahr 2024 betrug das Volumen aller Daten, die weltweit erstellt, kopiert und
verarbeitet wurden, 149 Milliarden Terabyte, was einen Anstieg um 20 % zum Vorjahr
darstellt. Dieser anhaltende Trend bringt aktuelle Speichertechnologien an die Grenzen der
Nachhaltigkeit. Als Träger der Erbinformation ist DNA prädestiniert dafür, große Informationsmengen über Jahrtausende hinweg zu speichern. DNA-basierte Datenspeicher kodieren digitale Daten als molekulare Sequenzen und übertreffen so die Datendichten und Lebensdauern von konventionellen Speichermedien um mehrere Größenordnungen. Noch stehen einer breiten Anwendung aber langsame Schreib- und Lesegeschwindigkeiten sowie hohe Kosten im Wege. Das Projekt „Next Generation Molecular Data Storage“ erforscht deshalb einen alternativen, auf der DNA-Nanotechnologie fußenden Ansatz, durch den die DNA-basierte Datenspeicherung in nicht allzu ferner Zukunft alltagstauglich werden könnte.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Keynote: Dr. Adrian Keller | Gespräch: Dr. Karlheinz Steinmüller, Dr. Adrian Keller

Guck mal, wer da denkt!

Die wichtigste Vorbedingung im Umgang mit künstlicher Intelligenz ist unsere natürliche. Wie
wir über uns selbst denken, formt auch, wie wir Maschinen und Werkzeuge benutzen. Ist
eine Nähmaschine die Urheberin des Kleidungsstücks, das sie genäht hat? Entscheidend ist
nicht, was die Maschine kann, sondern was wir mit ihr aus uns herausholen. Könnte KI
unsere natürliche Intelligenz steigern? Herausfordern? Macht eine intelligentere menschliche
Nutzung der KI die künstliche intelligenter? In meiner Keynote untersuche ich das Vexierspiel
zwischen Mensch und Maschine: Wann wird das Werkzeug zum Spiegel, wann der Spiegel
zur Falle? Konkrete Beispiele zeigen, wie Haltung und Intelligenz sich gegenseitig bedingen.
Und warum das auch eine gute Nachricht sein kann.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Keynote: Emma Braslavsky | Gespräch: Eva Wolfangel, Dr. Amrei Bahr, Emma Braslavsky

Dimensions of Climate Engineering from Space

Der Klimawandel zwingt uns, über klassische Klimaschutzmaßnahmen hinauszudenken und ergänzende Pufferlösungen zu erforschen. Hier rückt eine visionäre Idee in den Fokus: die Abschattung der Erde durch riesige Sonnenschirme, Sunshades, die am Sonne Erde Lagrange-Punkt L1 platziert werden sollen. Das International Planetary Sunshade (IPSS) Projekt untersucht ein solches „Climate Engineering from Space“. Doch wie lässt sich ein derart gewaltiges Projekt realisieren? Aufbauend auf aktuellen Studien zu Klimaeffekten, Systemarchitektur und der Nutzung von Mond und Asteroidenressourcen werden technische Kernelemente skizziert. Roadmaps deuten darauf hin, dass erste Sunshades bereits um 2060 einsatzbereit sein könnten. Gleichzeitig stellen sich gesellschaftliche Fragen: Wer darf ein solches System steuern, wie lässt sich internationale Governance gestalten, und wie verändert ein planetarer „Lichtschalter“ unsere Wahrnehmung von Verantwortung, Risiko und Gerechtigkeit? Der Vortrag verbindet diese systemische Sicht auf das IPSS-System mit einem Ausblick auf das Konzept HELIOS ARK – ein generationenübergreifendes interstellares Raumschiff. So wird sichtbar, wie großskalige Raumfahrt Infrastrukturen nicht nur ein Werkzeug zur Klimastabilisierung sein könnten, sondern auch ein mögliches Sprungbrett für langfristige Zukunftsvisionen der Menschheit im Sonnensystem und darüber hinaus.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Keynote: Tharshan Maheswaran | Gespräch: Tharshan Maheswaran, Theresa Hannig

Bildgewaltige Erzählwelt – ein entfesselter Blick auf unser Woher und Wohin

Wie wir als Menschheit dorthin kamen, wo wir heute stehen, wie wir jene wurden, die wir sind – das erzählt Jens Harder in einem der ambitioniertesten Comicprojekte überhaupt. Die Bände „Alpha“ „Beta 1“ und „Beta 2“ bündeln Natur-, Menschheits-, Technik- und Kulturgeschichte, aber nicht als bebildertes Schulbuch. „Die große Erzählung“, wie Harder sein Projekt nennt, erzählt nicht einfach Gewesenes, sondern reflektiert auch, wie wir uns erinnern: welche Bilder wir von uns und der Welt mit uns tragen und welche wir überwunden haben. Nun ist mit „Gamma“ der Abschlussband erschienen, der die Geschichte der Menschheit in die Zukunft weiterspinnt. Ethnologie, Kybernetik, Philosophie, Popkultur und vieles mehr kommen zu einer Mischung aus Warnruf und Hoffnungsschub zusammen.

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57

Comicpräsentation: Jens Harder

2090: Die besten Erfindungen aus dem Museum des Plastikzeitalters

In ihrem ersten Gemeinschaftsprojekt widmen sich der Berliner Künstler Felix Pestemer und der Bioverfahrenstechniker Simon McGowan dem Thema Kunststoffe und linearem Ressourcenverbrauch. Das fiktive Museum des Anthropozäns macht es möglich, die Problematik des Umgangs mit Kunststoffen anschaulich zu vermitteln und zugleich reale Lösungsansätze weiterzudenken — in Form eines populärwissenschaftlichen Zukunftsszenarios, das wissenschaftlich informiert, verständlich und visionär ist.

In ihrem ersten Gemeinschaftsprojekt widmen sich der Berliner Künstler Felix Pestemer und der Bioverfahrenstechniker Simon McGowan dem Thema Kunststoffe und linearem Ressourcenverbrauch. Das fiktive Museum des Anthropozäns macht es möglich, die Problematik des Umgangs mit Kunststoffen anschaulich zu vermitteln und zugleich reale Lösungsansätze weiterzudenken — in Form eines populärwissenschaftlichen Zukunftsszenarios, das wissenschaftlich informiert, verständlich und visionär ist.

7. Mai 2026, Café frei[raum], Pfaffenwaldring 45

Projektpräsentation: Felix Pestemer, Simon McGowan

Furcht vor der eigenen Vision?

Während die Wirklichkeit sich alle Mühe gibt, die ungemütlichsten Vorahnungen der Cyberpunks aus den 80ern und 90ern zu verwirklichen, fragen sich Science-Fiction-Autoren und Autorinnen, ob sie vielleicht sogar eine Mitverantwortung an dieser Entwicklung tragen. Was macht es für einen Sinn, die Gegenwart zugesitzt in die Zukunft zu projizieren, wenn irgendwelche Tech-Bros dann wiederum die Warnung als Bedienungsanleitung begreifen? Kann es wirklich das Ziel sein, zur Unterhaltungsabteilung der Rüstungs-, Überwachungs- und KI-Industrie zu gehören?

Mai 2026, Café frei[raum], Pfaffenwaldring 45

Fishbowl: Marcus Hammerschmitt, Jens Harder

Kein Kunststoff, auch keine Lösung?

#Plastics vs. Kunststoff

Plastik macht Probleme: vermüllte Flussläufe, Mikroplastik, das die Blut-Hirnschranke
passieren kann, Müllberge im globalen Süden. Mit rasender Geschwindigkeit verbrauchen
wir Öl, einen wichtigen Rohstoff, der wie alle limitierten Ressourcen auch künftigen
Generationen zur Verwendung erhalten bleiben sollte.
Doch ein Verbot greift zu kurz. Vielmehr geht es darum, die potenten Alleskönner
zielgerichtet und effizient einzusetzen. Die meisten Kunststoffe sind aufgrund ihrer
chemischen Zusammensetzung extrem langlebig. Ist das nun eine Chance für die
Kreislaufwirtschaft oder bleiben sie eine ökologische Katastrophe?

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Science-Slam: Simon McGowan | Zukunftsszenarien: Martin Schäuble | Live-Zeichnen: Stefan Dinter

Es ist vorbei, bye-bye Öffis!

Kathrin Viergutz hat schlechte Nachrichten für uns: In 15 Jahren wird es keine öffentlichen
Verkehrsmittel mehr geben! Zumindest gibt es bald niemanden mehr, der unsere Busse
fährt. In vielen Städten werden nämlich Busfahrerinnen und Busfahrer gesucht. Droht den
Öffis das Aus? Oder rettet uns das autonome Fahren? Aber was genau bedeutet eigentlich
„autonomes Fahren“? Sind wir bald alle mit autonomen Shuttles anstatt mit Bussen
unterwegs und ist das schon die Verkehrswende?

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Science-Slam: Kathrin Viergutz | Zukunftsszenarien: Regine Bott | Live-Zeichnen: Felix Pestemer

Eine nachhaltige Marsbasis?

Wir wollen zurück zum Mond und auf zum Mars, aber wie? Zukünftige Astronaut*innen
werden lange Zeit auf sich alleine gestellt sein. Dabei verlassen sie sich auf
Lebenserhaltungssysteme. Das sind sehr komplexe Systeme. Können wir sie sinnvoll
automatisieren? Wie können wir mit den begrenzten Ressourcen nachhaltig umgehen? Und
könnten Lösungen für den Mars auch unser Leben auf der Erde verbessern?

7. Mai 2026, Hörsaal V 57.03 | Pfaffenwaldring 57
Science-Slam: Felicitas Leese | Zukunftsszenarien: Marcus Hammerschmitt | Live-Zeichnen: Hanna Wenzel